E10, E5, Super Plus und Diesel im Vergleich
Aktualisiert am 10. Juli 2026 · 8 Min. Lesezeit
An der Tankstelle stehst du vor E10, Super E5, Super Plus, Diesel und manchmal Autogas. Welcher Sprit passt zu deinem Auto und was steckt hinter der Oktanzahl? Dieser Ratgeber erklärt dir die Kraftstoffarten verständlich und zeigt, wann sich welche Wahl lohnt.
Überblick der Kraftstoffarten in Deutschland
Wer in Deutschland tankt, trifft an fast jeder Zapfsäule auf die gleichen Kraftstoffarten. Bei den Benzinsorten sind das Super E10, Super E5 (früher einfach Super) und Super Plus. Dazu kommt Diesel für Selbstzünder und an ausgewählten Stationen Autogas (LPG) sowie seltener Erdgas (CNG). Jede Sorte hat ihre eigenen Eigenschaften, ihren eigenen Preis und ihre eigene Eignung.
Die wichtigste Frage lautet nicht, welcher Sprit generell der beste ist, sondern welcher zu deinem Motor passt. Ein modernes Auto läuft mit dem falschen Kraftstoff schlechter oder gar nicht, und teurer Sprit bringt dir keinen Vorteil, wenn dein Motor ihn nicht nutzen kann. Genau darum geht es hier: Wir schauen uns Benzin und Verbrauch, die Oktanzahl und die Verträglichkeit an, damit du an der Tankstelle die richtige Wahl triffst.
Ein zentraler Begriff bei Benzin ist die Oktanzahl. Sie beschreibt die Klopffestigkeit, also wie stark sich der Kraftstoff verdichten lässt, bevor er sich unkontrolliert selbst entzündet. Super 95 hat die Research-Oktanzahl 95, Super Plus liegt bei 98. Eine höhere Zahl bedeutet nicht automatisch mehr Leistung, sondern nur, dass der Sprit höhere Verdichtung verträgt. Nur Motoren, die dafür ausgelegt sind, profitieren davon.
Kurz gesagt
Die Oktanzahl ist ein Mass für Klopffestigkeit, nicht für Power. Tanke die Sorte, die dein Hersteller vorschreibt, alles darüber ist meist rausgeworfenes Geld.
Super E10: was steckt drin und für welche Autos
Super E10 ist ein Benzin mit der Oktanzahl 95, das bis zu 10 Prozent Bioethanol enthält. Das E im Namen steht für Ethanol, die 10 für den maximalen Anteil in Prozent. Das restliche Gemisch besteht aus herkömmlichem Ottokraftstoff. Der Bioethanol-Anteil soll den Ausstoß von fossilem CO2 senken, weil das Ethanol aus pflanzlichen Rohstoffen gewonnen wird.
E10 ist in der Regel die günstigste Benzinsorte an der Säule und deshalb für viele Autofahrer die naheliegende Wahl. Der Haken: Nicht jeder Motor verträgt den höheren Ethanol-Anteil. Ethanol wirkt aggressiver auf bestimmte Dichtungen, Schläuche und Metalle. Die allermeisten Benziner ab dem Baujahr 2011 und sehr viele ältere Fahrzeuge sind jedoch problemlos E10-tauglich.
Ob dein Auto E10 verträgt, findest du schnell heraus. Ein Blick in die Betriebsanleitung oder auf den Aufkleber im Tankdeckel gibt dir Sicherheit. Zusätzlich veröffentlichen Automobilverbände Verträglichkeitslisten nach Marke und Modell. Wenn dein Fahrzeug freigegeben ist, kannst du bedenkenlos E10 tanken und sparst gegenüber E5 bei jedem Tankvorgang ein paar Cent pro Liter.
- Oktanzahl: 95 (identisch mit Super E5)
- Ethanol-Anteil: bis zu 10 Prozent
- Geeignet für: die meisten Benziner, vor allem ab Baujahr 2011
- Vorteil: günstigster Preis unter den Benzinsorten
Super E5 und Super Plus: Oktan 95 und 98
Super E5 ist der klassische Ottokraftstoff mit Oktanzahl 95 und einem Ethanol-Anteil von maximal 5 Prozent. Diese Sorte gilt als universeller Kraftstoff, den nahezu jeder Benziner problemlos verträgt, auch ältere Fahrzeuge und viele Motorräder. Wer unsicher ist, ob sein Auto E10 verträgt, liegt mit Super E5 immer auf der sicheren Seite. Dafür kostet E5 etwas mehr als E10.
Super Plus hat mit 98 Oktan eine höhere Klopffestigkeit. Manche Hersteller schreiben diese Sorte für leistungsstarke oder hochverdichtete Motoren vor, etwa bei Sport- und Premiumfahrzeugen. Für diese Motoren ist Super Plus keine Luxusoption, sondern die vorgeschriebene Mindestsorte. Daneben gibt es an vielen Tankstellen sogenannte 100-Oktan-Kraftstoffe als Premiumvariante mit besonderen Additiven.
Vorsicht bei der Sparlogik
Umgekehrt gilt: Verlangt dein Auto ausdrücklich Super 98, solltest du nicht dauerhaft nur Super 95 tanken. Für diese Motoren ist die höhere Oktanzahl technisch notwendig.
Wichtig ist das Verständnis: Ein normaler Motor, der für Super 95 ausgelegt ist, gewinnt durch teureres Super Plus weder spürbar an Leistung noch an Sparsamkeit. Das Steuergerät holt aus einem 95er-Motor nicht mehr heraus, nur weil du 98 Oktan einfüllst. Anders sieht es bei Fahrzeugen aus, die ihr Kennfeld an die höhere Oktanzahl anpassen können. Dort kann sich Super Plus geringfügig bemerkbar machen, in der Praxis aber selten so stark, dass sich der Aufpreis rechnet.
Diesel: für wen und mit welchen Eigenschaften
Diesel unterscheidet sich grundlegend von Benzin. Der Selbstzünder braucht keine Zündkerzen, sondern verdichtet das Kraftstoff-Luft-Gemisch so stark, dass es sich selbst entzündet. Diesel hat eine höhere Energiedichte als Benzin, deshalb verbrauchen Dieselmotoren pro 100 Kilometer meist weniger Liter und bieten ein hohes Drehmoment schon bei niedrigen Drehzahlen.
Diesel lohnt sich vor allem für Vielfahrer. Wer jährlich hohe Laufleistungen zurücklegt, viel Autobahn fährt oder schwere Anhänger zieht, profitiert vom geringeren Verbrauch und dem oft niedrigeren Literpreis. Dem stehen höhere Anschaffungskosten, teurere Wartung und in vielen Regionen eine höhere Kfz-Steuer gegenüber. Ob sich ein Diesel für dich rechnet, hängt also stark von deiner Fahrleistung ab.
Bei den CO2-Werten liegt Diesel pro Liter mit rund 2,65 kg über Benzin mit etwa 2,37 kg. Wegen des geringeren Verbrauchs pro Strecke ist die Bilanz je Kilometer jedoch oft vergleichbar. Willst du das genau für dein Fahrprofil durchrechnen, hilft dir unser Benzin-vs-Diesel-Rechner, der Anschaffung, Verbrauch und Spritpreis gegenüberstellt.
Faustregel zum Diesel
Als grober Anhaltspunkt lohnt sich Diesel oft ab etwa 15.000 bis 20.000 Kilometern im Jahr. Darunter fressen höhere Fixkosten den Spritvorteil meist wieder auf.
Autogas LPG und Erdgas CNG kurz erklärt
Autogas (LPG) ist Flüssiggas, ein Gemisch aus Propan und Butan. Es ist deutlich günstiger als Benzin, ein Richtpreis liegt bei rund 1,09 Euro pro Liter. Autogas wird fast immer in nachgerüsteten Benzinern gefahren, die dann bivalent laufen und wahlweise Benzin oder Gas nutzen können. Der CO2-Ausstoß pro Liter liegt mit etwa 1,64 kg unter dem von Benzin. Nachteile sind die Kosten der Umrüstung und ein etwas höherer Verbrauch, weil Autogas eine geringere Energiedichte hat.
Erdgas (CNG) ist komprimiertes Methan und wird in Kilogramm statt Liter abgerechnet. CNG verbrennt sehr sauber und kann günstig sein, das Tankstellennetz ist in Deutschland aber deutlich dünner geworden. Neue CNG-Fahrzeuge sind selten geworden, weshalb diese Technik heute eher eine Nische ist. Für die meisten Autofahrer bleiben Benzin und Diesel die praktisch relevanten Optionen.
Welcher Kraftstoff passt zu meinem Auto
Die Antwort steht in deinem Fahrzeug, nicht in einem Ratgeber. Verlasse dich nie auf Vermutungen, sondern prüfe die Verträglichkeit konkret. So gehst du sicher vor:
- Tankdeckel und Tankklappe: Viele Hersteller kleben oder prägen die freigegebene Kraftstoffsorte direkt an die Einfülloeffnung, oft mit der Angabe E10 oder Super 95.
- Betriebsanleitung: Dort steht die vorgeschriebene Mindest-Oktanzahl und ob E10 freigegeben ist. Das ist die verbindlichste Quelle.
- Verträglichkeitslisten: Automobilverbände führen Listen nach Marke und Modell, falls dein Tankdeckel keine Angabe zeigt.
- Im Zweifel die sichere Sorte: Wenn du keine klare Information findest, tanke Super E5. Das verträgt praktisch jeder Ottomotor.
Wichtig ist auch: Diesel und Benzin sind niemals austauschbar. Wer versehentlich Benzin in einen Diesel füllt oder umgekehrt, riskiert schwere Motorschäden. Merke dir die richtige Sorte, gerade an fremden Tankstellen im Ausland, wo die Beschriftung anders aussehen kann.
Mythen rund um E10
Seit der Einführung halten sich hartnäckige Gerüchte um E10. Wir schauen uns die zwei häufigsten an.
Mythos 1: E10 schadet dem Motor
Für freigegebene Fahrzeuge stimmt das nicht. Ist dein Auto laut Hersteller E10-tauglich, entstehen durch den höheren Ethanol-Anteil keine Schäden. Der Kraftstoff erfüllt die gleichen Normen wie Super E5. Nur bei Fahrzeugen, die ausdrücklich nicht freigegeben sind, kann Ethanol auf Dauer bestimmte Bauteile angreifen. Deshalb gilt einzig die Freigabe deines Herstellers, nicht das Bauchgefühl.
Mythos 2: E10 führt zu deutlich höherem Verbrauch
Ethanol hat einen etwas geringeren Energiegehalt als reines Benzin. Rein rechnerisch kann der Verbrauch dadurch minimal steigen, in der Praxis liegt der Unterschied jedoch meist im Bereich von wenigen Prozent und wird durch den günstigeren Preis oft ausgeglichen. Wer genau wissen will, was sein Auto tatsächlich schluckt, misst den realen Verbrauch mit unserem Verbrauchsrechner über mehrere Tankfüllungen hinweg. So siehst du schwarz auf weiß, ob E10 bei dir wirklich mehr braucht.
Was lohnt sich preislich
Am Ende entscheidet oft der Geldbeutel. Die folgende Tabelle fasst die Kraftstoffarten mit Oktanzahl, einem Richtpreis für 2026 und der typischen Eignung zusammen. Die Preise sind Richtwerte und keine tagesaktuellen Werte, denn Spritpreise schwanken täglich und regional stark.
| Kraftstoffart | Oktanzahl | Richtpreis 2026 | Eignung |
|---|---|---|---|
| Super E10 | 95 | ca. 1,72 Euro/l | die meisten Benziner ab 2011, günstigste Wahl |
| Super E5 | 95 | ca. 1,78 Euro/l | alle Ottomotoren, sichere Universalsorte |
| Super Plus | 98 | über E5 | hochverdichtete und Premiummotoren |
| Diesel | entfällt | ca. 1,66 Euro/l | Vielfahrer, hohe Laufleistung, Anhängerbetrieb |
| Autogas LPG | entfällt | ca. 1,09 Euro/l | umgerüstete Benziner, sehr günstig |
Für die meisten Benziner ist die Logik einfach: Ist dein Auto E10-freigegeben, tanke E10 und spare bei jedem Halt. Nur wenn der Hersteller Super 98 vorschreibt, greifst du zur höheren Oktanzahl. Diesel und Autogas rechnen sich vor allem über viele Kilometer, weil hier höhere Fixkosten durch den günstigeren Verbrauch ausgeglichen werden müssen.
Spritkosten = (Kilometer x Verbrauch / 100) x Preis je Liter. So siehst du, dass nicht nur der Literpreis zählt, sondern immer das Zusammenspiel aus Verbrauch und Strecke.
Wann du am günstigsten tankst und wie sich die Preise über den Tag verteilen, erklärt unser Ratgeber zu den Spritpreisen. Konkrete Hebel, mit denen du unabhängig von der Sorte weniger ausgibst, findest du im Ratgeber Spritkosten senken. Beides zusammen bringt dir am Ende oft mehr als die reine Frage nach der richtigen Sorte.
