Benzin oder Diesel, worauf es ankommt
Die Frage Benzin oder Diesel lässt sich nicht mit einem einzigen Satz beantworten, denn sie hängt vor allem von deiner Fahrleistung ab. Ein Diesel kostet in der Anschaffung meist mehr, verbraucht dafür weniger und tankt oft günstiger. Ein Benziner ist billiger zu kaufen und zu versichern, schluckt aber mehr Kraftstoff. Wer Benziner gegen Diesel stellt, darf also nicht nur auf den Preis an der Zapfsäule schauen, sondern muss die gesamten Kosten über mehrere Jahre betrachten.
Genau hier setzt der Kostenvergleich an. Statt aus dem Bauch heraus zu entscheiden, rechnest du beide Antriebe mit deiner tatsächlichen Jahresstrecke durch. So siehst du schwarz auf weiß, ob sich der teurere Diesel amortisiert oder ob der günstige Benziner am Ende die klügere Wahl bleibt.
Die Kostenfaktoren im Überblick
Ein fairer Kostenvergleich Benzin Diesel berücksichtigt fünf große Posten. Jeder davon kann das Ergebnis kippen, deshalb solltest du keinen weglassen.
- Spritpreis: Diesel liegt mit rund 1,66 Euro je Liter meist unter E10 mit etwa 1,72 Euro. Das sind Richtwerte und keine tagesaktuellen Preise.
- Verbrauch: Ein Diesel braucht typischerweise 15 bis 20 Prozent weniger Kraftstoff als ein vergleichbarer Benziner. Das ist der größte Hebel zu seinen Gunsten.
- Kfz-Steuer: Die Kfz-Steuer Diesel fällt deutlich höher aus, weil Diesel je 100 cm3 Hubraum stärker besteuert werden als Benziner.
- Versicherung: Diesel-Modelle liegen in der Versicherung oft etwas höher, weil Fahrzeugwert und Reparaturen im Schnitt teurer sind.
- Wertverlust: Der Wertverlust ist der stille, oft größte Kostenblock. Er hängt stark vom Modell und von der Nachfrage am Gebrauchtmarkt ab.
| Kostenfaktor | Benziner | Diesel |
|---|---|---|
| Kaufpreis | niedriger | höher |
| Spritpreis je Liter | höher | niedriger |
| Verbrauch je 100 km | höher | niedriger |
| Kfz-Steuer | niedriger | höher |
| Versicherung | meist günstiger | meist teurer |
Warum die Kfz-Steuer beim Diesel so hoch ist
Die Kfz-Steuer setzt sich aus einem Hubraum-Anteil und einem CO2-Anteil zusammen. Beim Diesel liegt der Hubraum-Anteil bei rund 9,50 Euro je 100 cm3, beim Benziner nur bei etwa 2 Euro. Diesen Nachteil holt der Diesel erst durch niedrigen Verbrauch wieder herein.
Ab welcher Fahrleistung sich der Diesel lohnt
Der Kernbegriff heißt Break-even. Gemeint ist die Fahrleistung, ab der die jährliche Sprit-Ersparnis des Diesels seine höheren Fixkosten ausgleicht. Unterhalb dieser Grenze ist der Benziner günstiger, oberhalb fährt der Diesel billiger. Als Faustregel gilt, dass sich ein Diesel lohnt ab rund 15.000 bis 20.000 Kilometern im Jahr, je nach Modell und Preisen.
Break-even Fahrleistung (km im Jahr) = jährliche Mehrkosten des Diesels geteilt durch die Sprit-Ersparnis je Kilometer.
Die Sprit-Ersparnis je Kilometer ergibt sich aus dem Verbrauchs- und Preisunterschied. Die jährlichen Mehrkosten umfassen die höhere Kfz-Steuer, die teurere Versicherung und den anteiligen Aufpreis beim Kauf. Wer diese Werte kennt, findet seine persönliche Break-even Fahrleistung in wenigen Sekunden.
Wichtig ist, dass der Break-even keine feste Zahl ist. Steigt der Dieselpreis stärker als der Benzinpreis, verschiebt sich die Grenze nach oben und der Diesel lohnt sich erst bei mehr Kilometern. Fällt der Preisabstand größer aus, sinkt die nötige Fahrleistung. Auch ein sparsamerer Diesel oder ein durstiger Benziner können die Marke deutlich verschieben. Deshalb ist es sinnvoll, den Vergleich mit deinen eigenen Zahlen zu rechnen und nicht mit pauschalen Faustregeln.
Rechenbeispiel Vielfahrer gegen Wenigfahrer
Nehmen wir zwei vergleichbare Kompaktwagen. Der Benziner verbraucht 7,5 l/100 km bei 1,72 Euro je Liter, das macht 12,90 Euro je 100 km oder rund 0,13 Euro je Kilometer. Der Diesel braucht 6,0 l/100 km bei 1,66 Euro je Liter, also 9,96 Euro je 100 km oder rund 0,10 Euro je Kilometer. Die Sprit-Ersparnis beträgt somit etwa 3 Cent je Kilometer. Die jährlichen Mehrkosten des Diesels aus Steuer, Versicherung und anteiligem Aufpreis setzen wir mit rund 435 Euro an.
- Vielfahrer mit 25.000 km: 25.000 mal 0,03 Euro ergibt 750 Euro Sprit-Ersparnis. Abzüglich 435 Euro Mehrkosten bleibt ein Vorteil von rund 315 Euro im Jahr für den Diesel.
- Wenigfahrer mit 8.000 km: 8.000 mal 0,03 Euro ergibt nur 240 Euro Ersparnis. Nach Abzug der 435 Euro Mehrkosten fährt der Wenigfahrer mit dem Diesel rund 195 Euro teurer als mit dem Benziner.
Der Break-even liegt in diesem Beispiel bei etwa 15.000 Kilometern im Jahr. Ab dieser Marke dreht sich das Bild zugunsten des Diesels. Wer die genauen Betriebskosten samt Steuer, Versicherung und Wartung sauber gegenrechnen möchte, nutzt zusätzlich unseren Autokosten-Rechner.
Tipp für den ehrlichen Vergleich
Rechne immer mit deinem realen Verbrauch, nicht mit dem Prospektwert. Trage außerdem die tatsächlichen Preise deiner Stammtankstelle ein. Kleine Unterschiede bei Verbrauch und Spritpreis verschieben den Break-even schnell um mehrere tausend Kilometer.
Vor- und Nachteile im Überblick
Neben den reinen Kosten spielen Fahrgefühl und Alltagstauglichkeit eine Rolle. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Punkte zusammen.
| Kriterium | Benziner | Diesel |
|---|---|---|
| Anschaffung | günstiger | teurer |
| Verbrauch | höher | niedriger |
| Reichweite je Tankfüllung | kürzer | länger |
| Kfz-Steuer | niedrig | hoch |
| Kurzstrecke | unproblematisch | ungeeignet |
| Durchzug bei Anhänger | schwächer | stärker |
Diesel und Kurzstrecke passen nicht zusammen
Wer häufig nur wenige Kilometer fährt, riskiert beim Diesel eine verstopfte Abgasreinigung. Der Partikelfilter braucht längere, warme Fahrten, um sich zu reinigen. Bei viel Stadtverkehr auf kurzen Wegen ist der Benziner klar im Vorteil.
Wann der Benziner die bessere Wahl ist
Der Benziner spielt seine Stärken bei geringer Fahrleistung aus. Fährst du unter etwa 15.000 Kilometer im Jahr, gleicht die Sprit-Ersparnis des Diesels seine höheren Fixkosten kaum noch aus. Auch für Pendler mit vielen kurzen Strecken, für Zweitwagen und für Stadtfahrzeuge ist der Benziner meist die passendere Wahl. Er ist leiser im Kaltstart, günstiger in der Versicherung und technisch unkomplizierter.
Hinzu kommt der Wiederverkauf. In vielen Innenstädten gelten Umweltauflagen, die ältere Diesel treffen können. Ein Benziner ist auf dem Gebrauchtmarkt oft leichter absetzbar. Wenn du ohnehin über alternative Antriebe nachdenkst, hilft dir unser Ratgeber zu den verschiedenen Kraftstoffarten und der Vergleich Elektroauto gegen Verbrenner bei der Einordnung.
Fazit und was der Rechner zeigt
Ob sich Benzin oder Diesel mehr lohnt, entscheidet am Ende deine Fahrleistung. Vielfahrer profitieren vom niedrigen Verbrauch und dem günstigeren Diesel, Wenigfahrer und Kurzstreckenfahrer sind mit dem Benziner besser bedient. Die höhere Kfz-Steuer Diesel und die teurere Versicherung fallen erst ins Gewicht, wenn du sie an vielen Kilometern misst.
Der Rechner nimmt dir das Abwägen ab. Du gibst Verbrauch, Spritpreise, Kfz-Steuer und Fahrleistung ein und erhältst deine persönliche Break-even Fahrleistung sowie die Jahreskosten beider Antriebe im direkten Vergleich. So triffst du deine Entscheidung mit Zahlen statt mit Bauchgefühl.
