Kraftstoff

E-Fuels und HVO100 im Überblick

Aktualisiert am 10. Juli 2026 · 6 Min. Lesezeit

E-Fuels und HVO100 im Überblick

E-Fuels und HVO100 gelten vielen als Hoffnungsträger für den Verbrennungsmotor. Doch was steckt wirklich hinter diesen alternativen Kraftstoffen, wie klimafreundlich sind sie und passen sie überhaupt in dein Auto? In diesem Überblick sortieren wir sachlich die Fakten, damit du die neuen Kraftstoffe realistisch einordnen kannst.

Rund um das Verbrenner-Aus wird viel über alternative Kraftstoffe diskutiert. Zwei Begriffe fallen dabei immer wieder: E-Fuels und HVO100. Beide versprechen, den vertrauten Diesel- oder Benzinmotor klimafreundlicher zu machen, ohne dass du gleich auf ein Elektroauto umsteigen musst. Wie groß der Nutzen wirklich ist und wo die Grenzen liegen, klären wir Schritt für Schritt.

Was sind E-Fuels

E-Fuels sind synthetische Kraftstoffe, die nicht aus Erdöl gewonnen, sondern industriell hergestellt werden. Der Grundgedanke: Mit Strom wird per Elektrolyse Wasserstoff aus Wasser erzeugt und anschließend mit Kohlendioxid (CO2) zu einem flüssigen Kraftstoff verbunden. Fachleute nennen dieses Verfahren Power-to-Liquid. Je nach Prozess entstehen so Ersatzstoffe für Benzin, Diesel oder Kerosin.

Das Besondere: Stammt der Strom aus erneuerbaren Quellen und das CO2 aus der Luft oder aus industriellen Abgasen, kann der Kraftstoff im Kreislauf nahezu klimaneutral verbrennen. Genau deshalb werden E-Fuels oft als möglicher Kraftstoff der Zukunft gehandelt, gerade für Bereiche, die sich nur schwer elektrifizieren lassen, etwa Flugverkehr, Schifffahrt oder Bestandsfahrzeuge.

Der große Haken liegt im Aufwand. Die Herstellung braucht sehr viel Energie, und ein erheblicher Teil des eingesetzten Stroms geht dabei verloren. Ein Elektroauto nutzt denselben Ökostrom deutlich effizienter. Dazu kommt, dass E-Fuels heute kaum in nennenswerten Mengen verfügbar sind, sondern überwiegend in Pilotanlagen entstehen.

Was ist HVO100

HVO100 ist ein sogenannter paraffinischer Diesel und dem synthetischen Ansatz nur teilweise verwandt. Die Abkürzung steht für hydriertes Pflanzenöl (Hydrotreated Vegetable Oil). Hergestellt wird der Kraftstoff aus Rest- und Abfallstoffen wie gebrauchten Speiseölen oder tierischen Fetten, die mit Wasserstoff behandelt (hydriert) werden. Die Zahl 100 bedeutet, dass es sich um reinen HVO handelt und nicht um eine Beimischung.

Anders als E-Fuels ist HVO100 in Deutschland bereits Realität. Seit 2024 darf der Kraftstoff regulär verkauft werden und ist inzwischen an vielen Tankstellen als eigene Sorte erhältlich. Chemisch verhält er sich ähnlich wie herkömmlicher Diesel, verbrennt aber sauberer und lässt sich als sogenannter klimafreundlicher Diesel vermarkten. Wichtig ist: Tanken darfst du HVO100 nur, wenn dein Fahrzeug ausdrücklich dafür freigegeben ist.

Kurz erklärt

HVO100 ist ein fertig verfügbarer Diesel-Ersatz aus Abfallstoffen. E-Fuels dagegen sind synthetische Kraftstoffe aus Strom, Wasser und CO2, die es bislang fast nur in Versuchsanlagen gibt.

Wie klimafreundlich sind sie wirklich

Beide Kraftstoffe können die CO2-Bilanz verbessern, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Entscheidend ist immer der Blick auf den gesamten Lebensweg, also von der Herstellung bis zur Verbrennung, nicht nur auf den Auspuff.

Bei HVO100 fällt die Treibhausgas-Bilanz über den Lebensweg je nach Rohstoff und Berechnung deutlich günstiger aus als bei fossilem Diesel. Der Grund liegt vor allem darin, dass Abfall- und Reststoffe genutzt werden, deren CO2 bereits an anderer Stelle anfällt. Direkt am Auspuff stößt HVO100 allerdings ähnlich viel CO2 aus wie normaler Diesel. Der Vorteil entsteht also in der Kette davor, nicht im Motor selbst.

E-Fuels sind nur dann wirklich klimafreundlich, wenn der eingesetzte Strom vollständig aus erneuerbaren Quellen stammt. Wird konventioneller Strommix verwendet, kann die Bilanz sogar schlechter ausfallen als bei fossilem Kraftstoff, weil der Herstellungsprozess so energieintensiv ist. Wie viel Kohlendioxid dein aktueller Kraftstoff verursacht, kannst du übrigens mit unserem CO2-Rechner abschätzen.

Kein Allheilmittel

Weder E-Fuels noch HVO100 lösen das Klimaproblem des Verkehrs im Alleingang. Die verfügbaren Mengen an Rest- und Abfallstoffen sind begrenzt, und E-Fuels bleiben auf absehbare Zeit knapp und teuer.

Preis und Verfügbarkeit

Hier trennen sich die beiden Kraftstoffe deutlich. HVO100 findest du 2026 an einer wachsenden Zahl von Tankstellen, vor allem entlang von Hauptverkehrsachsen und bei einzelnen Ketten. Der Literpreis liegt in der Regel etwas über dem von normalem Diesel, weil die Herstellung aufwendiger ist und die Rohstoffmenge begrenzt bleibt. Konkrete Tagespreise nennen wir bewusst nicht, da sie sich ständig ändern.

E-Fuels dagegen sind für Privatkunden praktisch noch nicht an der Zapfsäule angekommen. Wo sie verfügbar sind, kosten sie ein Vielfaches von fossilem Kraftstoff. Bis sich das ändert, braucht es einen massiven Ausbau von Produktionsanlagen und günstigem Ökostrom. Für die kommenden Jahre bleibt der Kraftstoff daher eher ein Thema für Nischen als für den Massenmarkt.

EigenschaftHVO100E-Fuels
HerkunftRest- und Abfallstoffe, mit Wasserstoff behandeltStrom, Wasser und CO2 (synthetisch)
ErsetztDiesel (paraffinisch)Benzin, Diesel oder Kerosin möglich
Verfügbarkeit 2026an vielen Tankstellenkaum, meist nur Pilotprojekte
Preismeist etwas über Dieseldeutlich teurer
Freigabe nötigja, nur freigegebene Fahrzeugeals Drop-in-Kraftstoff gedacht
CO2 über Lebenswegmeist deutlich besser als Dieselbei Ökostrom nahezu klimaneutral

Verträglichkeit, ist mein Auto freigegeben

Bevor du HVO100 tankst, musst du prüfen, ob dein Fahrzeug dafür geeignet ist. Der Kraftstoff entspricht der europäischen Norm EN 15940 für paraffinische Diesel. Viele moderne Dieselmotoren sind freigegeben, aber eben nicht alle. Bei einer Verwechslung im nicht freigegebenen Fahrzeug drohen im schlimmsten Fall Schäden oder ein Verlust der Garantie.

So findest du heraus, ob dein Auto HVO100 verträgt:

  • Schau in die Betriebsanleitung deines Fahrzeugs, dort ist die Kraftstofffreigabe meist vermerkt.
  • Prüfe die Innenseite der Tankklappe, viele neuere Modelle tragen dort das Kürzel XTL als Hinweis.
  • Nutze die Freigabelisten der Hersteller, die häufig online bereitstehen.
  • Frag im Zweifel bei einer Vertragswerkstatt nach, bevor du das erste Mal tankst.

Bei E-Fuels stellt sich die Frage der Verträglichkeit etwas anders. Sie sind so gedacht, dass sie sich als Drop-in-Kraftstoff möglichst ohne Umbau in bestehende Motoren tanken lassen. Da sie im Alltag aber noch keine Rolle spielen, ist die praktische Freigabefrage für die meisten Autofahrer derzeit zweitrangig.

Für wen sich die neuen Kraftstoffe lohnen

Ob sich der Umstieg lohnt, hängt stark von deinem Fahrzeug und deinen Prioritäten ab. HVO100 ist vor allem für Besitzer freigegebener Diesel interessant, die ihre CO2-Bilanz verbessern wollen und den etwas höheren Preis akzeptieren. Besonders sinnvoll ist das für Vielfahrer und Bestandsfahrzeuge, die noch viele Jahre im Einsatz bleiben und für die ein Elektroauto keine Option ist.

E-Fuels bleiben für Privatleute vorerst eher Zukunftsmusik. Wer heute eine klimafreundliche Alternative sucht, kommt an der Frage Verbrenner oder Stromer meist nicht vorbei. Einen sachlichen Vergleich der beiden Antriebe findest du in unserem Ratgeber Elektroauto gegen Verbrenner. Und wenn du die verschiedenen Sorten von Benzin bis Autogas grundsätzlich verstehen möchtest, hilft dir unsere Übersicht der Kraftstoffarten weiter.

Unterm Strich sind E-Fuels und HVO100 sinnvolle Bausteine, aber kein Allheilmittel. Sie können bestehende Fahrzeuge sauberer machen, ersetzen aber weder den Umbau des Verkehrs noch eine bewusste, sparsame Fahrweise. Wer seine Kosten und seinen Ausstoß senken will, kommt am eigenen Verbrauch nicht vorbei, egal welcher Kraftstoff im Tank ist.

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FAQ

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen E-Fuels und HVO100?

HVO100 ist ein paraffinischer Diesel aus Rest- und Abfallstoffen, der bereits an vielen Tankstellen verfügbar ist. E-Fuels sind synthetische Kraftstoffe aus Strom, Wasser und CO2, die es bisher fast nur in Pilotanlagen gibt und die deutlich teurer sind.

Kann ich HVO100 einfach so tanken?

Nur wenn dein Fahrzeug dafür freigegeben ist. Prüfe die Betriebsanleitung, die Tankklappe (Kürzel XTL) oder die Freigabeliste des Herstellers. Viele moderne Diesel sind geeignet, aber längst nicht alle.

Ist HVO100 wirklich klimafreundlicher als Diesel?

Über den gesamten Lebensweg betrachtet fällt die CO2-Bilanz meist deutlich besser aus, weil Abfall- und Reststoffe genutzt werden. Direkt am Auspuff stößt HVO100 allerdings ähnlich viel CO2 aus wie herkömmlicher Diesel.

Wann sind E-Fuels an normalen Tankstellen verfügbar?

Für Privatkunden spielen E-Fuels an der Zapfsäule bislang praktisch keine Rolle. Bis sie in größeren Mengen verfügbar und bezahlbar sind, braucht es einen starken Ausbau der Produktion und viel günstigen Ökostrom.